Fiesta mit Maria Feliz & Xzibit

Zahnarztblues und Westcoast Rap

"Vorbereitung ist die halbe Miete" heißt es. In meinem Fall habe ich die letzten Tage in den Bergen auch damit verbracht, zu recherchieren. Nach Orten, wo wir einige Tage gut verbringen können und die groß genug sind, um mehrere Zahnärzte beheimaten zu können. Seit Portugal schmerzt der (nicht behandelnde) Zahn wieder regelmäßig und meine Vermutung, dass mir vor einem Monat tatsächlich der falsche Zahn behandelt wurde, hat sich mittlerweile bewahrheitet. So verabschieden wir uns schweren Herzens vorerst von den Bergen und steuern ins Landesinnere nach Burgos, in die Hauptstadt der gleichnamigen Region.

Die Berge die an uns vorüberziehen werden mit Fortdauer der Strecke immer kleiner und das satte Grün weicht Gelb- und Ockertönen als wir Leon erreichen. Zu unserer Überraschung, führen die Nachwehen des San Juan Festes dazu, dass weder Bäcker, noch Gemüseladen oder jeglicher Dienstleister geöffnet hat. Naiverweise sind wir dem Irrtum aufgesessen, dass es ja (wie in unserer Heimat) am Tag nach dem Feiertag, wieder wie gehabt weitergehen muss. Ganz Spanien hat hingegen frei. Es sei ihnen vergönnt. Im Internet fand sich unter den Öffnungszeiten der Zahnarztordinationen nur zweimal der Hinweis, das es zu San Juan zu Abweichungen kommen kann. Mit einem Totalausfall haben wir nicht gerechnet. Den Zahnarztbesuch am Nachmittag können wir streichen. Deshalb und weil meine talentierte Frau einen ausgezeichneten Parkplatz findet, entscheiden wir uns spontan, der Altstadt von Leon einen Besuch abzustatten und uns dort die Füße zu vertreten.

"No tienes que pagar hoy!" murmelt der alte Bettler, der direkt auf uns zugesteuert ist, als er uns beim Einparken entdeckt hat. Der Überbringer der guten Neuigkeit, die besagt, dass das Parken heute kostenlos ist, erhält eine Packung Mandeln und wir beginnen unseren Spaziergang in der Nähe der Kathedrale. Die wenigen Bediensteten, die in den Bars und Kaffeehäusern ihrer Arbeit nachgehen, sehen nicht gerade erholt aus. Passend dazu, streifen noch ein paar Nachtschwärmer mit rot unterlaufenen Augen unseren Weg. Wir freuen uns über den geringen Andrang in den Gassen. Nach der Kathedrale entdecken wir das Casa Botines, ein frühes Werk des berühmten Antoni Gaudi, der Katalonien und Barcelona insbesondere, seinen Stempel aufgedrückt hat. Einige schöne Ecken rund um das Rathaus finden wir noch, gönnen uns einen Kaffee und spazieren bereits am frühen Nachmittag zurück zum Bus. Unser Ziel Burgos, wo ich vier mögliche Zahnarztpraxen ausgewählt habe, liegt noch über eine Stunde entfernt. Die Kriterien waren einerseits die Bewertungen, die die Suchmaschine auswirft, sowie der Auftritt der behandelten Ärzte auf ihrer jeweiligen Homepage. An englischsprachige Zahnärzte in Spanien glaube ich nicht mehr. Dafür stiften sympathische Gesichter ohne kunterbunten Auftritt und übertriebenen Versprechen auf ihrer Homepage mein Vertrauen.

In Burgos sind bereits wieder merklich mehr Menschen auf den Beinen, als wir durch die Wohnbezirke am Stadtrand fahren. Wie viele spanische Städte, bietet auch Burgos einen kostenlosen Wohnmobilstellplatz am Rand des Stadtzentrums an, der in diesem Fall sogar einen Servicebereich und Sitzbänke aufweist. Wir freuen uns, über die unspektakuläre aber breite Parknische, zwischen zwei großen Wohnmobilen und machen uns noch auf einer Sitzbank breit, bevor die dunklen Wolken möglichen Regen mit sich bringen. Die Bank teilen wir uns bald mit einer britischen Nachbarin und ihren beiden Hunden. Die gesprächige Clare aus Wales hat dermaßen Freude, Englisch sprechen zu können, dass sie uns gleich einen Teil ihrer Lebensgeschichte auftischt. Eine heitere Natur ist die junggebliebene Dame auf jeden Fall. Spätestens als sie uns noch selbst gemachten Gin ihres Papas serviert und um ein Selfie bittet, hat sich ihre Heiterkeit vollständig auf uns übertragen. Als uns das Gewitter und der Regen erreichen, ladet sie uns prompt noch auf ein weiteres Getränk in ihr großes Wohnmobil ein und gibt uns eine kurze Führung. Ines wird ein bisschen schwach beim Anblick des Festbetts und dem abgetrennten Wohnbereich. Manchmal wären wir auch anfällig für so eine extra Portion Komfort. Clare findet es großartig, dass wir ebenfalls auf die britische Insel wollen und spricht prompt eine Einladung aus: "Oh, let's visit Wales! Come and see my father if i'm still on the road, he'll be glad to host you!". Ines und Clare tauschen Nummern aus und wir sind gespannt, ob es tatsächlich zu einem Wiedersehen in den nächsten Monaten kommt.

Einer sonst ruhigen Nacht, können auch einige Unverbesserliche nichts anhaben, die gegen Mitternacht mit quietschenden Reifen und dröhnendem Subwoofer eine flotte Runde zwischen den Campern drehen.

Am Morgen ist es soweit. Wir fahren einige Stationen mit dem Stadtbus und erreichen die erste Zahnarztpraxis kurz nach ihrer Öffnung. Die freundliche Dame am Empfang zeigt Mitgefühl und erklärt mir, dass es gerade ein schlechter Zeitpunkt sei, um in Burgos einen Arzttermin zu bekommen. Nach dem San Juan Fest steht in zwei Tagen das große Stadtfest an, dass eine Woche lang andauert. Viele Ärzte haben sich frei genommen und auch in ihrer Ordination ist nur die halbe Belegschaft im Dienst. Ob es an meinem geheuchelten Verständnis, oder meinem tatsächlichen Charme liegt, kann ich nicht festmachen. Jedenfalls tüftelt sie so lange im Kalender herum, um mich am nächsten Vormittag einschieben zu können. Bueno, immerhin. Ordination Nummer 2 ist nur 15 Gehminuten entfernt und unsere nächste Station. Dort erhalte ich die gleiche Info. "Es el tiempo de la mejor fiesta, es muy importante para nosotros". Ja ja, ich weiß, wie wichtig das Feiern den Spaniern ist. Jedenfalls sind beide Ärzte bis Ende kommender Woche auf Urlaub und nur die Damen, die Mundhygiene anbieten, sind im Dienst. Die können mir nicht helfen und so eine Dame war ja Zuhause im Jänner die Wurzel allen Übels. Tolles Wortspiel, oder? Praxis Nummer 3 ist riesig, empfängt uns mit gedämpften Licht, sanfter Musik, luxuriösen Sitzbänken und jeder Menge Flatscreens. Hinter dem Tresen sitzt eine stark geschminkte junge Dame, die wohl schon mehrere Schönheits-OPs hinter sich hat. Möglicherweise ein weiteres Spezialgebiet dieser Klink. Der einzige männliche Mitarbeiter, der herumschwirrt, hat akkurat gezupfte Augenbrauen und sieht ebenfalls aus, als hätte er etwas Schminke im Gesicht. Wo sind wir hier gelandet? Jedenfalls erkläre ich die Situation der jungen Dame, die aus Mangel an Fähigkeit oder Empathie keine Miene verzieht. Wiederum ist das anstehende Stadtfest der Grund, warum nur ein einziger Arzt im Dienst ist. Ich möge trotzdem kurz warten, es wird jemand einen Blick auf meinen Zahn werfen. Eine junge Ärztin, die tatsächlich wiederum kein Wort Englisch spricht, führt mich in einen Behandlungsraum, führt ein Röntgen durch, klopft mir mit einem Hämmerchen mehrmals auf die Galerie und verschwindet dann wortlos. Hätte ich um die Dauer gewusst, hätte ich bestimmt einige Sudokus am Handy gelöst. Als sie zurückkommt, führt sie mich in einen anderen Raum, wo ein "3D-Scan" durchgeführt wird. Dann verschwindet sie wieder. Ich werde etwas später abgeholt und zu meiner Überraschung wieder zum Empfang geführt. Dort erhalte ich, von dem geschminkten Mann, dessen Schild die Aufschrift "Servicio al Cliente" trägt, die Diagnose weitergeleitet. Es handelt sich um eine Entzündung, die ohnehin zuerst mit Antibiotikum behandelt werden muss, bevor eine Wurzelbehandlung (am richtigen Zahn) endgültige Linderung bringt. So erhalte ich ein Rezept und einen Kostenvoranschlag für die anstehende Behandlung samt ein paar ausgedruckten Bildern meines Gebisses in einer schicken Mappe in die Hand gedrückt. Das Antibiotikum soll 7 Tage verwendet werden und in zwei Wochen seien alle 5 Ärzte wieder im Dienst. Sollten wir dann noch zugegen sein, bieten sie mir gerne einen Termin an. Ich winke ab und zahle die Rechnung trotzdem gerne. Immerhin gibt es eine Diagnose und Bilder, die ich dem nächsten Zahnarzt, sofern nötig, in die Hand drücken kann.

Eine leckere Pizza im Anschluss habe ich mir reichlich verdient. Ines ebenso, die abermals Zeit im Warteraum einer Zahnarztpraxis totschlagen musste und mich mit ihrer Gelassenheit versorgt hat.

Die Pizza ist eher ein Flop. Dafür lohnt sich der Spaziergang zur Burg, die über der Altstadt thront. Sie ist zwar geschlossen, bietet aber auch ringsum einen schönen Ausblick über Burgos und die Region. Die prächtige gotische Kathedrale steht der in Leon um nichts nach und ist von hübschen Plätzen umgeben. Überhaupt erleben wir Burgos sehr aufgeräumt, übersichtlich und voller Grünflächen, die zum Pausieren einladen. Ein paar Pausen müssen wir auch einlegen, weil in unserem nächsten Ziel, auf das ich mich besonders freue, noch Siesta gehalten wird. Das "Museo de la Evolucion Humana" ist groß, modern, widmet sich ausschließlich der menschlichen Evolution und öffnet um 15:00 wieder seine Pforten. Zur Belohnung fürs Warten, erfahren wir am Eingang, dass Heute (Mittwoch) der Eintritt frei ist. Großartig. Auf 3 Stockwerken haben sich die Kuratoren ordentlich ins Zeug gelegt, eine Höhle nachgebaut, Wachsfiguren erschaffen, sogar einen Teil der HMS Beagle und jede Menge ausgestorbener Tiere in ihrer tatsächlichen Gestalt rekonstruieren lassen. Der Grund für den Standort Burgos, liegt in den spektakulären Funden, die in den letzten 40 Jahren in den Höhlen der nahegelegen Bergkette Sierra de Atapuerca zu Tage gebracht wurden. Die ersten Knochenfunde belegten die Verbreitung eines bis damals unbekannten Hominiden, der nun den Namen "Homo antecessor" trägt. Neben vielen originalen Schädeln und Gebeinen werden Steinwerkzeuge ausgestellt und deren Verwendung erklärt. In einer langen Sandkiste, kann man mit digitaler Lupe selbst Archäologe spielen, während wir ein Stück weiter durch die detailgetreu nachgebaute Kabine der Beagle spazieren, auf der Charles Darwin 1831 zu seiner fünfjährigen Reise aufgebrochen ist. Von 12 verschiedenen Spezies der Hominiden werden exzellente Wachsfiguren ausgestellt, die in Statur und Proportion nebeneinander verglichen werden können. Ein Highlight, ich könnte Stunden zwischen den Figuren hin und her wandern. Ines vielleicht ein bisschen kürzer und so schließen wir unseren Besuch mit der Sammlung der prähistorischen Tieren ab.

Am Rückweg zu unserem Stellplatz laufen wir an einer Auslage vorbei, wo mir ein Poster ins Auge sticht. Darauf erkenne ich den Rapper Xzibit, dessen erste CD ich vor 29 Jahren verschlungen habe. Meine Textsicherheit und die unbändige jugendliche Selbstsicherheit haben mir zu einen kurzen Auftritt auf der Bühne mit den Delinquent Habits verholfen. Die Instrumentals von Xzibits ersten Hit "Paparazzi" wurden als Zugabe der Band gespielt und ich durfte mit zwei anderen Jungs die Bühne erklimmen und vor Publikum in der Wiener Arena meine Raps zum Besten geben. Das waren wilde Sturm und Drang Zeiten, in denen ich mich im fernen Wien auf Hip Hop Konzerten herumgetrieben habe, anstatt Hausaufgaben zu machen. Xzibit ist danach durch die MTV-Sendung "Pimp my Ride" einem breiteren Publikum bekannt geworden und hat im Umfeld von meinen anderen Rap Ikonen Snoop Dogg und Dr. Dre in den frühen 2000ern noch einige Hits herausgebracht. Nun tritt er tatsächlich beim verfluchten Stadtfest von Burgos auf und ist indirekt ein Mitgrund, warum mein Zahn in der Warteschlange hängt. Im Vorbeigehen schnappe ich mir ein Programmheft des Festes und überlege am Rückweg zum Bus, ob und wie ich Ines überzeugen könnte, ohne Aussicht auf zahnärztliche Behandlung, doch noch ein paar Tage in Burgos dranzuhängen. Meine wunderbare Frau hat die Eigenschaft, meinen spontanen Ideen mehr als Verständnis entgegenzubringen und willigt am selben Abend noch ein, gemeinsam mit mir zum Konzert in zwei Tagen zu gehen. Das Leben ist schön und voller Überraschungen.

Den folgenden Tag nutzen wir, um einen Waschsalon zu besuchen und weitere Etappenziele festzulegen. Den Nachmittag verbringen wir, ganz spanisch, auf Decken mit unseren Büchern in einem Park. Wie wir mittlerweile herausgefunden haben, handelt es sich bei der Fiesta de Burgos tatsächlich um eine ziemlich große Veranstaltung, die Menschen aus der ganzen Region anzieht und verschiedene Highlights wie Prozessionen, Feuerwerke, tägliche Stierkämpfe, Gourmetmeilen und auch etliche Konzerte beinhaltet.

Wir sind mittlerweile eingestimmt und das Wetter spielt ebenso mit. Es ist am Vormittag bereits dermaßen heiß, dass wir beschließen ins städtische Freibad zu marschieren.

Dort müssen wir nicht nur geschmalzenen Eintritt bezahlen, sondern uns auch noch die obligatorischen Silikonbadehauben kaufen, um ins Wasser zu dürfen. So lautet jedenfalls die strenge Hygienevorschrift, auf die uns der Mitarbeiter an der Kassa hinweist. Na gut. Wir entscheiden uns jeweils für das günstigste Modell in modischem blau. Gegen die Teenieboys, die ihre Boxershorts unter der Badehose tragen, hat übrigens niemand etwas. Auf der Liegewiese sind wir lange alleine im Schatten, bis sich eine ältere Dame den Schattenplatz neben uns schnappt. Ein wenig später spricht sie uns an und fragt auf Spanisch, ob wir den Deutsch miteinander sprechen. Sie selbst hat ihre frühe Kindheit in Deutschland verbracht und erinnert sich gerne an den Klang der Wörter, die sie schon lange nicht mehr versteht. Maria Feliz lebt in Burgos und hat unter anderem als Yogalehrerin gearbeitet. Mittlerweile längst in Pension, bietet sie auf der Volkshochschule Kurse zum Thema Recycling und alternativer Bodenbewirtschaftung an. Aus ihrer strahlend weißen Igelfrisur leuchtet uns eine dunkellila Strähne entgegen, als sie uns von ihren Projekten erzählt. Eine besonders nette Unterhaltung, die später damit endet, dass Maria Feliz überraschend nach unserer Nummer fragt. Die geben wir ihr und verabschieden uns, um noch rechtzeitig zuerst zu unserem Bus und anschließend zum Stadtbus zu gelangen, der uns ins Zentrum bringt.

Am Rande der Altstadt steppt der Bär, als wir dort ankommen. Nur entlang der Gourmetmeile kommen wir soweit voran, dass wir Niemanden auf die Zehen treten. Besonders auffallend sind die vielen Gruppen, die Vereinsfarben bzw. ein bestimmtes Outfit tragen. Jeweils 10-30 Menschen einer Partie versammeln sich um ihre mitgebrachten Instrumente. Die vielen Pauken und Trompeten warten aber noch auf ihren Einsatz. Am großen Platz vor dem Rathaus sieht es aus, als würden gleich die Rolling Stones oder der Papst auf die Bühne kommen. Tausende Menschen stimmen ausgelassen Sprechchöre an und pausieren erst, als die Bürgermeisterin ans Mikrophon tritt und feierlich die Fiesta de Burgos eröffnet. Das Publikum jubelt ihr zu, wie einem Rockstar und die bunten Gruppierungen starten anschließend, wie auf Kommando, ihren Zug durch die Arkaden. Wir halten es für eine gute Idee am Rande mitzuziehen und geraten rasch in die (Menschen-)Klemme. "Ich stecke fest" ruft Ines. Mir geht es zwei Schritte vor ihr nicht viel besser. So ausgelassen und positiv angeheitert die Menge auch ist, ein Durchschlängeln ist mittlerweile unmöglich geworden. Erst als die Prozession wieder Fahrt aufnimmt, öffnet sich eine kleine Lücke, durch die wir uns in eine Bar flüchten.

Nach einem kühlen Bier und einer Atempause, geht es für uns weiter zur ersten Konzertbühne. Der Technosound des (uns unbekannten spanischen Star-) DJs haut uns weniger aus dem Socken und wir verweilen nur kurz, bevor wir bei einer weiteren Gourmetmeile einkehren. Kurz vor Mitternacht machen wir uns auf den Weg zur Brücke vor dem Stadttor, wo das große Feuerwerk stattfinden soll. Knapp 100 Meter davor stecken wir wieder fest, haben aber einen guten Platz samt Aussicht erwischt. Als die ersten Raketen bejubelt werden, drehe ich mich kurz nach links und erkenne einen Meter neben mir Maria Feliz. Sichtlich überrascht, uns inmitten der tausenden Besucher zu treffen, müssen wir lachen. Nach den letzten Salven und dem abschließenden Applaus der Menge, lichtet es sich wieder und wir können uns ein wenig unterhalten. Maria Feliz möchte uns ein Stück weit zur Konzertbühne begleiten, wo Xzibit in 20 Minuten loslegen soll. Sie wohnt ganz in der Nähe, kann aber auf das Konzert verzichten, meint sie lächelnd. Die buntgekleideten Menschen repräsentieren zur Fiesta ihren jeweiligen Verein, oder einfach ihre Stammkneipe erklärt uns Maria Feliz und bemerkt, dass sie sich über ein Wiedersehen freuen würde. Wir verabschieden uns herzlich und biegen zur Konzertbühne ab.

Ich spiele ein bisschen Rammbock und manövriere uns ins vordere Drittel der Menge, nahe der Bühne.

Als Supporting Act dient ein Rapper, den ich nicht kenne. Dafür tritt Xzibit zeitgemäß mit einer 5-köpfigen Band samt Instrumenten auf. Mit der Kommunikation hapert es ein wenig. "When i say "X", you say..." überfordert das spanische Publikum mitunter. Ein paar gibt es jedenfalls, die Text- oder Refrainsicher sind. Die Mischung aus alten und neuen Liedern kommt gut an. Die Stimmung passt, könnte jedoch noch ein wenig intensiver sein. An Xzibit liegt es nicht. Ines und ich sind jedenfalls ordentlich mit dabei und haben die Hände in der Höhe und folgen den Ansagen. Wir beide erleben unser Highlight und freuen uns über den gelungen Abend.

Am Weg zurück durch die Altstadt erleben wir noch, wie gut organisierte Reinigungskräfte bereits den ersten Müll aus den Gassen spülen und Burgos über Nacht aufpolieren. Wir müssen lachen und fragen uns, wann wir das letzte Mal so lange um die Häuser gezogen sind.

Langsamer ist mehr

Auf weitere Festtage verzichten wir, brechen am Vormittag auf und finden eine Stunde weiter östlich an der Grenze zum Baskenland einen wunderbaren Stellplatz an einem großen See. Dort können wir uns ohne Badehaube laufend erfrischen und den Trubel der letzten Tage verarbeiten. Der Ort gefällt uns auf Anhieb. Andere Camper grüßen freundlich und überhaupt lässt es sich am See unter Bäumen bei 35 Grad besser aushalten, als in der Stadt. Womit wir nicht rechnen ist, dass uns Maria Feliz eine Einladung schickt, doch auf ihrer Finca südlich von Burgos zu campieren und obendrein gerne kostenlos an ihrem nächsten Kurs teilnehmen zu können. Das Angebot erreicht uns wohl zu spät, denn umkehren wollen wir nur ungern. Zahnarztbehandlungen bleiben für die kommende Woche in Burgos ausgeschlossen und bis auf die Fiesta am Abend, haben wir das Interessanteste der Stadt wohl schon entdeckt. Die Nachrichten unserer spanischen Bekanntschaft sind gleichzeitig sehr rührend und positiv. So sehr, dass wir zumindest an den nächsten beiden Tagen öfters eine mögliche Rückkehr nach Burgos in Betracht ziehen. Leider stockt der Dialog genau an dem Tag, als wir zurückkehren wollen. So genießen wir noch einen weiteren Tag im Schatten, schwimmen und lesen ausgiebig. Am Vorabend haben wir bereits mit einer zusammengewürfelten Runde, aus zwei holländischen Paaren, den Abend ausklingen lassen. An diesem Abend stoßen noch zwei ältere Schweizer und eine junge Engländerin dazu. Es sind nette Gespräche, meist an der Oberfläche, aber stets heiter und ungezwungen.

Der nächste Abend soll der letzte am See werden. Der Stellplatz hat sich gelichtet und nur die beiden Holländer Nadine und David sind neben uns übrig geblieben. Die zwei gesellen sich am Abend einen Sprung zu uns und entpuppen sich als heiter und vielfältig. Wir mögen ihre Geschichte und die Art, wie sie reisen, ist durchaus inspirierend. Mit einem Kleinsttransporter sind sie seit 3 Jahren ganz bescheiden unterwegs. Obwohl alles an ihren Auto durchdacht ist, bietet der Wagen kaum Platz und minimalen Komfort. Dabei ist David knapp zwei Meter groß und kann trotz Hubdach nirgends aufrecht stehen. Für Campingplätze geben sie nur selten Geld aus, kaufen sich lieber was Leckeres zum Essen oder sehen sich was Interessantes an. Ihre größte Freiheit besteht darin, keine konkrete Route oder Plan zu haben. So kann es sein, dass sie in zwei Wochen nur wenige Kilometer zurücklegen und dafür länger an Orten verweilen, wo sie sich wohlfühlen. Als ich David erzähle, dass wir in den vergangenen 5 Monaten knapp 14000 Kilometer zurückgelegt haben, glaubt er, dass ich scherze.

Unweigerlich hinterfragen auch wir danach das Tempo, dass wir an den Tag legen und die übereifrigen Pläne, die wir noch im fernen Österreich geschmiedet haben. Marokko, Spanien und auch England wollten wir erkunden. Ein Teil davon ist uns bereits gelungen und doch fühlen wir uns mehr getrieben, als uns recht ist. Gerade Spanien mit seinen vielen kostenfreien oder günstigen Stellplätzen (in meist schöner Lage) macht uns die Weiterreise besonders schwer. Mein Spanisch hat mittlerweile wieder ein gutes Niveau erreicht und wir mögen die landschaftliche Vielfalt und die Menschen einfach. Unsere Fähigkeit, die Momente zu genießen, ganz bewusst im Hier und Jetzt, hat weiter zugenommen und die Tage, an denen wir uns nicht mit Zielen und Plänen beschäftigen, bringen paradoxerweise die klarsten und kreativsten Gedanken mit sich.

Bevor wir uns von den beiden Holländern verabschieden können, überraschen uns die beiden mit einer selbst beschrifteten Karte. Im Gegenzug dürfen wir noch ein paar Worte in ihr Gästebuch schreiben und für ein gemeinsames Foto posieren.

Trotz Antibiotikum bleibt die erhoffte Linderung meiner Zahnschmerzen aus. Die Hoffnung auf eine Behandlung und die vielen Wolken, die über dem See aufziehen, veranlassen uns nach 4 Tagen weiterzuziehen. In San Sebastian haben wir erstmals kein Glück bei der Stellplatzsuche. Der einzige Stellplatz ist voll besetzt. Auch eine Stunde Wartezeit bringt keine Änderung. Obendrein schüttet es, wie aus Kübeln. Das Wetter bleibt ein beständiger "Treiber" unserer Reise und so fahren wir zunächst nur ein kurzes Stück weiter über die nahe französische Grenze, nach "Frantzia", wie es auf baskisch heißt, um anschließend sogar noch etwas weiter zu fahren.

Lange Tage am Cap de l'Homy

Es tröpfelt nur mehr dahin, als wir im Pinienwald des Cap de l'Homy ankommen. Der Campingplatz liegt mitten im Wald und wird nur von einer langgezogenen Düne vom kilometerlangen Strand getrennt. Nachdem uns die 100 Kilometer französischer Autobahn eine saftige Maut von über 16€ gekostet haben, freuen wir uns über den moderaten Preis am schönen Platz. Es geht uns gut, als wir uns einrichten und sich die Sonne blicken lässt. Trotzdem haben wir uns abermals vom Wetter beeinflussen lassen und es nicht geschafft, uns auszumalen ein paar Tage Regenwetter im Bus auszusitzen. Vielleicht haben wir uns zu sehr daran gewöhnt, dass unser Leben großteils "draußen" passiert und der Plan England (und neuerdings auch Wales) noch diesen Sommer zu bereisen, steckt hartnäckiger in unseren Köpfen als gedacht. Ich würde gerne sagen, dass es auch an den vielen Zahnärzten in Frankreich liegt, aber die wenigen in der Umgebung sind seitens Suchmaschine allesamt schlecht bewertet.

Mein erster Tag an der französischen Atlantikküste beginnt großartig, als ich vom Bäcker mit einem frischen Baguette und Pain au Chocolat zurück spaziere und nach dem Frühstück eine Stunde am Basketballplatz verbringe. Auch Ines kann die Gedanken an die weitere Route beim Schwimmen im frischen Atlantik bestens wegspülen. Am nächsten Tag spazieren wir gemeinsam zum Bäcker. Danach wiederholt sich die selbe Abfolge und wir genießen das Meer und die Annehmlichkeiten um uns. So sehr, dass wir noch weitere Tage dranhängen. Während ich Basketball spiele, verschlingt Ines zwei Bücher und findet Nachschub in der Tauschbox. Es sind die längsten Tage des Jahres und wir genießen jede Minute im Freien. Ines bemerkt am Campingplatz einen Unterschied zu der vergangenen Woche. Während wir zuletzt in Spanien viele Langzeitreisende getroffen haben mit denen man schnell ins Gespräch kommt, finden wir uns hier unter vielen Urlaubsreisenden wieder, die bevorzugt für sich bleiben.

Meine Zahnschmerzen kann ich mir am Basketballplatz nicht zur Gänze wegspielen und wir beschließen nach der fünften Nacht, pünktlich zur Rückkehr des Regens weiterzufahren. Eine böse Überraschung erlebe ich noch beim Bezahlen. Der günstige Preis, der uns beim Check-In genannt wurde, galt nur für die erste Nacht. Am Tag darauf hat am Platz die "Haute Saison" begonnen und der Preis hat sich mehr als verdoppelt! Über einen Hinweis vorab wären wir durchaus dankbar gewesen.

Unser nächstes Ziel hat sich an unserem Gefühl und wieder an meinen Zahnarzt-Recherchen orientiert. Bevor wir richtig in Frankreich ankommen, wollen wir uns noch gebührend von Spanien "verabschieden". Östlich des Baskenlandes, ebenfalls an Frankreich grenzend, liegt die Region Navarra, wo ich eine mittelgroße Stadt mit drei (hoffentlich) hervorragenden Zahnärzten gefunden habe. Dort gibt es außerdem ringsum viel zu entdecken, auf das wir Lust haben. Also drehen wir wieder um und freuen uns auf ein neues Kapitel in Spanien!

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Kommentare: 5
  • #1

    Johannes und Xenia (Montag, 04 August 2025 01:53)

    14000 km , vollgestopft mit Eindrücken und Abenteuern. Und wir dürfen ein bisschen dabei sein. Danke euch !!!
    Michi du bist sicher der beste Zahnarzt Praxis Bewerter über 14000 km länderübergreifende Distanz. Kannst sie dann mit Zähnen statt mit Hauben bewerten .
    Big Hug

  • #2

    Walter (Montag, 04 August 2025 12:32)

    Bei Xzibit hast mich gecatcht. Super Blogeintrag, alles Gute dem Zahn lieber Fedo. Btw. "Nur der Narr läuft auf dem Weg des Lebens, ohne eine Pause einzulegen, um die Schönheiten der Schöpfung zu beobachten" - tibetisches Sprichwort. Ich liebs.

  • #3

    Xandi (Montag, 04 August 2025 15:04)

    Schön das sich das Konzert so gut ergeben hat und ihr Spanien genossen habt! Drück euch ganz fest �

  • #4

    Ula (Montag, 04 August 2025 15:09)

    Nun hoffe ich, ihr findet bald einen gute Zahnarzt, der dich vom Übeltäter befreit. Sehr tolle Eindrücke. Danke, das wir das miterleben dürfen! alles Liebe und gute Weiterreise

  • #5

    Margit (Dienstag, 05 August 2025 11:20)

    Ja nur keine Mundhygene machen vor einer Reise!Alles Liebe weiterhin

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